Straumann · ClearCorrect · Hamburg · Juni 2026

KI trifft Zahn

Zwischen Hype und Behandlungsstuhl

Dr. Ahmed Alkhafaji
DentalCare Bochum · Straumann KOL
· Director at Syncoms
Dr. Ahmed Alkhafaji
Präsentation
KI trifft Zahn, Folien der Session
Straumann · ClearCorrect · Hamburg · Juni 2026 · PDF
Tools aus der Session
9 Tools · Übersicht
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Smile Makeover Conversion
5 Schritte · Verhaltensökonomie
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Step 01
Trigger
Anamnesebogen: Patient markiert Unzufriedenheit mit dem Lächeln. Intraorale Fotos werden gezeigt.
Step 02
Daten erheben
Intraorale Fotos, intraoraler Scan, OPG: Standard für jeden Neupatienten.
Step 03
ClearCorrect Vorschau
CC Case Preview KI + Behandlungssimulation zeigen.
Step 04
Smilecloud
STL Export aus ClearPilot (Ctrl + S) → Smile Design auf dem echten Gesicht des Patienten.
Step 05
gamma.app Behandlungsplan
Personalisierter Behandlungsplan. Noch am selben Tag. 10 Minuten.
Verhaltensökonomie im Behandlungsgespräch
Theoretische Grundlage · Klinische Evidenz
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Die meisten Zahnarztpraxen behandeln Patientenentscheidungen als Kommunikationsproblem. Das eigentliche Problem liegt nicht in der Kommunikation. Es liegt in der Entscheidungsarchitektur. Verhaltensökonomie hat in den letzten vierzig Jahren präzise beschrieben warum das so ist und was sich dagegen tun lässt.

Kognitive Dissonanz
Festinger, L. (1957). A Theory of Cognitive Dissonance. Stanford University Press.

Menschen streben nach innerer Konsistenz zwischen Überzeugungen, Wahrnehmungen und Verhalten. Wenn ein objektiver Befund, etwa ein intraorales Foto, mit dem eigenen Selbstbild kollidiert, entsteht ein psychologisch unangenehmer Zustand. Dieser Zustand erzeugt Handlungsdruck. Wird der Befund als klinische Feststellung präsentiert statt als Verkaufsargument, entfällt die Möglichkeit der Ablehnung durch Misstrauen. Die Dissonanz bleibt bestehen, und die Motivation zur Auflösung ebenfalls.

Das intraorale Foto ist kein Verkaufsinstrument. Es ist ein Dissonanzauslöser.
Availability Heuristic
Tversky, A. & Kahneman, D. (1973). Availability: A heuristic for judging frequency and probability. Cognitive Psychology, 5(2), 207 bis 232.

Menschen beurteilen die Relevanz von Ereignissen danach, wie leicht sie sich diese vorstellen können. Konkrete, persönliche, visuelle Information ist kognitiv verfügbarer als abstrakte Beschreibung. Ein Bildschirm, der genau das auf den eigenen Zähnen in diesem Moment zeigt, aktiviert diese Heuristik vollständig. Sichtbarkeit ist keine ästhetische Entscheidung. Sie ist eine kognitive Notwendigkeit.

Was der Patient sieht, bewertet er als real. Was er hört, bleibt abstrakt.
Endowment Effect
Kahneman, D., Knetsch, J.L. & Thaler, R.H. (1990). Experimental Tests of the Endowment Effect and the Coase Theorem. Journal of Political Economy, 98(6), 1325 bis 1348.

Menschen bewerten Dinge höher sobald sie diese besitzen oder sich vorstellen, sie zu besitzen. Sobald ein Patient sein eigenes Gesicht mit dem Behandlungsergebnis sieht, beginnt er psychologisches Ownership zu entwickeln. Der Verlust dieses imaginierten Zustands wiegt psychologisch schwerer als der Aufwand ihn zu erreichen. Die Entscheidungsbereitschaft steigt nicht weil das Ergebnis attraktiv ist, sondern weil sein Ausbleiben sich wie ein Verlust anfühlt.

Smilecloud auf dem eigenen Gesicht erzeugt Ownership bevor die Entscheidung fällt.
Prospect Theory
Kahneman, D. & Tversky, A. (1979). Prospect Theory: An Analysis of Decision under Risk. Econometrica, 47(2), 263 bis 291.

Menschen treffen Entscheidungen relativ zu einem Referenzpunkt. Verluste werden stärker gewichtet als gleichwertige Gewinne, bekannt als Loss Aversion. Ein konkreter Behandlungsplan mit klaren Kosten und klarem Ergebnis setzt einen präzisen Referenzpunkt. Er macht aus einer abstrakten Möglichkeit eine definierte Transaktion. In diesem Moment arbeitet Loss Aversion für die Entscheidung: Der Patient weiß genau was er aufgibt wenn er nicht entscheidet.

Gamma macht aus Möglichkeit Verbindlichkeit durch Transparenz, nicht durch Druck.
Eine Anmerkung zur Ethik

Der Einsatz verhaltensökonomischer Erkenntnisse wirft eine legitime Frage auf: Ist das Manipulation? Manipulation liegt vor wenn die Entscheidungsarchitektur darauf ausgelegt ist das autonome Urteilsvermögen des Patienten zu umgehen. Der hier beschriebene Ablauf tut das Gegenteil: konkrete Information statt Abstraktion, persönliche Visualisierung statt Beschreibung, transparente Kosten statt vager Zusagen. Der Patient der nach diesem Prozess Ja sagt ist informierter, nicht weniger. Er wurde nicht überredet. Er hat entschieden.

Referenzen

Festinger, L. (1957). A Theory of Cognitive Dissonance. Stanford University Press.

Tversky, A. & Kahneman, D. (1973). Availability: A heuristic for judging frequency and probability. Cognitive Psychology, 5(2), 207 bis 232.

Kahneman, D., Knetsch, J.L. & Thaler, R.H. (1990). Experimental Tests of the Endowment Effect and the Coase Theorem. Journal of Political Economy, 98(6), 1325 bis 1348.

Kahneman, D. & Tversky, A. (1979). Prospect Theory: An Analysis of Decision under Risk. Econometrica, 47(2), 263 bis 291.

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